„Geheim“ Zeichen des Habits

Was hat es mit den „geheimen“ Zeichen der Bergmannstracht auf sich?

Dazu gehen wir bis in das 17. Jahrhundert zurück. Verschiedene Bergvorstände und Kurfürsten machten ihren Einfluss geltend und führten eine Unterscheidung von Berufen und Tätigkeiten der Bergleute über eine Klassifizierung und das Aussehen von Bergmannstrachten ein.

Initiatoren waren u. a. Sachsens Kurfürst August der Starke, Kurfürst Johann Georg II, Abraham von Schönberg, Freiherr von Heynitz und Freiherr von Herder. Die damaligen politischen und wirtschaftlichen Machthaber gaben konkrete Richtlinien zu Formen und Farben der Bergmanntracht heraus. So wurde zur Unterscheidung zum Militär die Uniform des Bergmanns ab dem Jahr 1668 offiziell Habit genannt. Verschiedene Merkmale einer Uniform waren übernommen worden. In einer Anzugsordnung schrieb die Bergbehörde fest vor: – Die Berufsgruppe muss durch die Form des Habits erkennbar sein. – Eine Unterscheidung der Reviere wurde durch die Farben des Habits festgeschrieben. – Es gab genaue Vorschriften, wann und welcher Habit getragen werden musste. – Die Stoffqualität und Ausschmückung sagt etwas über die gesellschaftliche Stellung des Trägers aus. – Eigenmächtige Änderungen wurden mit Strafe belegt.

Aufgrund der neuen Verfügung musste sich jeder im Bergbau Tätige von seinem eigenen Geld eine Paradekleidung kaufen. Viele Bergleute stürzte diese Vorschrift in finanzielle Nöte.

Im Jahre 1719, im Hochzeitsjahr des Sohnes Augusts des Starken mit Maria Josepha, erlebte das Dresdner Umland einen riesigen Modeaufschwung von dem letztlich auch das Aussehen der Bergleute optisch besonders profitierte.

Im Plauenschen Grund bei Dresden wurde eine bis dato unvorstellbar prächtige Bergparade abgehalten. Unzählige Trachtenträger repräsentierten den Werdegang des Erzes vom Fund, über den Abbau, der Verarbeitung bis zu den daraus entstehenden Produkten. Neben der Pracht der unterschiedlichsten Bergmannstrachten war die technische Meisterleistung der dargestellten und funktionierenden Maschinen einmalig. Eine weitere Anzugsordnung von 1768 heißt noch heute „Freiberger Fuß“. Darin werden 11 Klassen entsprechend dem Rang des Bergmanns beschrieben.

Der Ranghöchste mit der Klasse 1 stellt der Generalbergkommissarius dar. Bekanntester Träger dieses Habits war Freiherr Friedrich Anton von Heynitz. Seine Kleidung bestand aus Brokat, rotem Atlas, Seide und Spitze und war reich mit Gold und Leder geschmückt. In Klasse 10 finden sich die meisten Arbeiter, wie Heuer, Hütten- und Hammerarbeiter, Blaufarbenwerker und Schmelzer wieder. Sie tragen Habits aus einfachen Stoffen wie Filz und Leinen. Einziger Schmuck sind Knöpfe, die die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Revier ausweisen. Die niedrigste Klasse 11 beherbergt die Bergsänger. Neben der Einteilung in Klassen gibt eine Unterscheidung durch Farben. An der Farbigkeit der Westen, Kragenspiegel, Knöpfe, Ärmelbündchen, Fransen und des Kopfputzes (Feder) kann man noch heute das Bergamt oder Revier des Trägers erkennen. Bergleute des Oberbergamtes Freiberg tragen noch heute die Farben Scharlachrot und Gold; Marienberg trägt die Farben Gelb und Gold, Eibenstock hingegen Gelb und Silber.

Die möglichen Unterscheidungen durch Klassen und Farben sind so vielfältig, dass wir hier nur einen kleinen Einblick in die Anzugsordnung geben können. Es gibt weit über 100 verschiedene Habitformen n Sachsen, die häufig in traditionellen Bergparaden zu bewundern sind.

 

Über den Baufortschritt an unserem König David Erbstolln in Scharfenberg wollen wir im nächsten Artikel berichten.

Glück Auf!